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Goldgräberstimmung, Kängurus am Strand und verkuschelte Rochen

Eben noch im tiefsten Outback, wenige Stunde später schon in einer pulsierenden Millionenmetropole: Ende Februar erreichte Maike Güsgen per Flugzeug Perth, die Heimat ihrer Schwester. Die größte Stadt in Western Australia sollte Ausgangspunkt sein für all die spannenden Erlebnisse, die die letzten Wochen des Australienabenteuers prägen werden. Zunächst ließ es Maike Güsgen entspannt angehen, zum Beispiel beim Jet Ski-Fahren, beim 4-Wheels-Drive am Strand oder beim Erkunden von Perth. Parallel lief natürlich auch wieder die Jobsuche, denn es musste ja Geld her für die kommenden Unternehmungen.

Über ihre Schwester bekam die junge Frau schließlich einen Kontakt zu einer „Drilling Company“ – einer Firma, die auf einer Mine nach Gold bohrt. Wieder im weit entfernten Outback, nur unter Männern und ziemlich harte Arbeit. Im Bewerbungsgespräch machte der Chef der Drilling Company daher klar, dass er eine „toughe Frau“ braucht. Güsgen sagte: „Okay, ich versuche das einfach mal.“

Ordentlich schuften in einer Goldmine

Am nächsten Tag ging es schon los. Acht Stunden brauchte der Zug, bis Maike Güsgen die Minenstadt Kalgoorlie im Outback erreichte. Gold geschürft hat sie dort nicht. „Alle Anfänger beginnen in den Werkstätten. Wenn sie bestimmte Schulungen absolviert haben, können sie später einmal in den Minen arbeiten“, erklärt Güsgen. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, die rückkehrenden LKW aus den Minen wieder auf Vordermann zu bringen: die mit rotem Schlamm verdreckten Maschinen reinigen, die Bordküchen bestücken, Werkzeugmaterial anhand von Checklisten auffüllen. „Das war richtig harte Arbeit, immer so zehn Stunden täglich, ohne Wochenende.“ Dass sie nur unter Männern war, störte Maike Güsgen nicht: „Die waren alle sehr nett. Abends waren wir häufig noch im Team zusammen was essen in der Stadt.“ Nach drei Wochen hatte die Weltenbummlerin genug Geld verdient, um wieder nach Perth zurückzukehren – und hier das Leben zu genießen.

Mit Kängurus zusammen am Traumstrand liegen

Nach etwas Ausruhen ging es Anfang April mit einigen Freunden mit dem Wohnwagen nach Esperance im Südwesten Australiens. Auf dieser Strecke durchquert man viele Nationalparks – unter anderem den Cape Le Grand Nationalpark. „Mein persönlicher Höhepunkt dort war die „Lucky Bay“. Sie ist bekannt dafür, dass Kängurus dort hingekommen und Kontakt mit Menschen suchen. Es war schon lustig, mit diesen Tieren zusammen an einem Traumstrand zu liegen“, sagt Maike Güsgen. Überhaupt hat ihr die Natur hier in Western Australia nochmal etwas besser gefallen als im Osten: „Es ist einfach alles noch viel unberührter und weniger touristisch. Als Naturliebhaber findet man hier ein echtes Paradies vor.“

Mit 4-Wheel-Drive zum Muschel-Strand

Zurück in Perth wurde es langsam schwierig mit der Suche nach neuen Jobs, weil Güsgens Visum in wenigen Wochen auslief. Für kleinere Messe-Jobs über mehrere Tage reichte es dann aber gottseidank. So konnte die junge Frau zusammen mit ihrer Schwester und Freunden nochmal einen schönen Trip unternehmen. Mit einem Camper-Trailer (einer Art aufklappbares Zelt auf dem Anhänger) und 4-Wheel-Drive fuhren sie Richtung Norden nach Exmouth. Unterwegs standen Rock Pools und tolle Strände auf dem Programm. „Ein Highlight für mich war der Shell Beach. Der komplette Strand besteht aus kleinen weißen Muscheln. Das war einfach wunderschön“, so Güsgen. Den westlichsten Punkt Australiens haben sie bei dieser Tour auch besucht – eine sehr schwer zugängliche Halbinsel. In Exmouth selbst wollte Maike Güsgen eigentlich mit Buckelwalen schwimmen, „aber leider war die Saison dafür vorbei, wie wir etwas enttäuscht feststellten.“

Rochen streicheln und Surf-Events mit Hai-Alarm

Von ihrer Basis in Perth aus machte die reiselustige Frau in den wenigen verbleibenden Wochen dann noch einige kleinere Trips. Zum Beispiel nach Hamelin Bay. „Der Strand ist bekannt dafür, dass dort große Rochen hinkommen. Die lassen sich sogar streicheln“, berichtet Maike Güsgen. Oder zu einem bekannten Surf-Cup in Margaret River. „Das war spannend, so ein Surf-Event mal live mit zu erleben. Zwischendrin wurde sogar einmal abgebrochen, weil es Hai-Alarm gab“, erinnert sie sich.

Trauriger Abschied und schwerer Start in Deutschland

Der Gedanke daran, dass es bald zurück nach Deutschland gehen sollte, fiel ihr recht schwer. „Ich hätte locker noch ein Jahr dranhängen können“, sagt Maike Güsgen lachend. Die letzten Tage in Perth nutze sie dann, um sich nach und nach von liebgewonnenen Menschen und Orten zu verabschieden. „Ich war richtig traurig.“ Vom australischen Winter brachte sie der Flieger Mitte Juni zurück in den deutschen Sommer. „Den Start hier fand ich schon schwierig. Ich habe mich natürlich sehr gefreut, wieder meine Familie und Freunde zu sehen. Aber am Anfang war ich noch recht wehmütig. Es ist ein bisschen so, als wäre ein sehr langer toller Urlaub zu Ende gegangen.“ Nach und nach stellte sich aber wieder Normalität ein – auch in ihrem Job bei Klöckner.

Der nächste Australientrip ist schon in Planung: Den Norden möchte sich Maike Güsgen im nächsten Jahr mal etwas genauer anschauen – „nur“ für vier Wochen. Und für all diejenigen Leserinnen und Leser, die jetzt auch Lust bekommen haben auf ein Jahr „Auszeit“, hat sie einen Tipp: „Ich glaube die Leute, die so etwas machen wollen, sollten das auf jeden Fall tun – egal welche Konsequenzen das hat“, sagt Güsgen. „Ich hätte nicht gedacht, wie schnell man in einem anderen Land zurechtkommen kann. Da braucht man keine Ängste haben.“

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