Fokus Mensch

Diagnose Rückenprobleme

Haltung bewahren – mit einem starken Rücken!

Zu den häufigsten Arbeitsunfähigkeitsdiagnosen zählen Rückenprobleme – auch in einer zunehmend digitalisierten Welt mit weniger körperlicher Arbeit. Mit vielfältigen Maßnahmen können Arbeitgeber effektiv vorbeugen.

Wie wichtig unser Rücken ist, zeigen allein schon die vielfältigen Redewendungen rund um dieses Körperteil. In schwierigen Situationen soll man Rückgrat beweisen, Freunde und Familie stärken uns dann oft den Rücken. Enttäuschte Menschen kehren uns ihren Rücken zu, neidische Menschen lästern hinter dem unseren. Auch im Betrieblichen Gesundheitsmanagement hat der Rücken eine prominente Stellung. Laut DAK-Gesundheitsreport 2018 waren Rückenschmerzen im Jahr 2017 die zweitwichtigste Einzeldiagnose unter den Ursachen für Arbeitsunfähigkeit: 5,8 Prozent der Fehltage waren aufgrund von Rückenschmerzen, ungefähr jeder zwanzigste erwerbstätig Versicherte war 2017 mindestens einmal deswegen krankgeschrieben. Hinzu kommen Ausfälle wegen anderer Diagnosen im Rückenbereich, zum Beispiel Bandscheibenschäden. Zwar hat sich die Arbeitswelt im Zuge der Digitalisierung in den letzten Jahren stark gewandelt, Rückenerkrankungen spielen aber immer noch eine große Rolle.

Rückenproblematik hat sich in der Arbeitswelt verlagert

Das Problem hat sich gewissermaßen verlagert: Auf der einen Seite führen Menschen insgesamt weniger körperlich belastende Tätigkeiten aus, auf der anderen Seite wird aber mehr gesessen und der gefühlte psychische Arbeitsdruck nimmt zu – was sich in einer höheren Anspannung niederschlägt, die sich auch in Rückenschmerzen äußern können. Eine effiziente Behandlung von Rückenleiden ist häufig deshalb so schwierig, weil die Ursachen oft sehr vielschichtig und nicht eindeutig sind: Laut DAK-Gesundheitsreport machen solche „unspezifischen Rückenschmerzen“ etwa 80 Prozent aller Fälle aus! Viele Menschen, die unter Rückenproblemen leiden, nehmen zudem – häufig unbewusst – eine falsche Schonhaltung ein, die die Probleme noch verschlimmert – Experten nennen dieses Verhalten „Schmerzspirale“. Ein gutes Betriebliches Gesundheitsmanagement legt also nicht nur Wert auf ergonomisches Arbeiten mit einer sinnvollen Balance aus Bewegung und Belastung, sondern sorgt auch für gesundheitliche Aufklärung und ein angenehmes Betriebsklima, um die psychische Belastung zu reduzieren.

 Rückenmassage professioneller Therapeut
Junge Frau erhält eine Rückenmassage. Die Patientin wird von einem professionellen Therapeuten behandelt.

So beugt man Rückenproblemen bei Klöckner vor

Klöckner hat das wichtige Thema Rücken schon seit einigen Jahren auf der Agenda. Wie vielfältig die Prävention diesbezüglich ist, sollen exemplarisch drei verschiedene Maßnahmen an den Standorten Duisburg, Kaufungen und Neumarkt (Österreich) zeigen. „Einmal im Jahr probiert unser Standort auf Basis einer Mitarbeiterumfrage etwas Neues aus in diesem Bereich. Im letzten Jahr war das Wirbelsäulengymnastik“, erklärt Martina Reindl vom Standort Neumarkt. Über mehrere Wochen hat eine externe Trainerin dazu einmal die Woche für eine Stunde Übungen vor Ort durchgeführt. Die Teilnehmenden konnten dieses Training zur Dehnung und Stärkung des Rückens auch zuhause praktizieren. Am Klöckner-Standort Duisburg werden bereits seit mehreren Jahren Massagen für die Mitarbeiter angeboten – und die kommen sehr gut an. Zwei Mal die Woche für jeweils 3 Stunden vergibt eine externe Masseuse insgesamt 12 Massage-Termine außerhalb der Arbeitszeit. „Die Dame ist bei uns stets ausgebucht. Für viele Mitarbeiter steht dabei nicht nur der Wohlfühlfaktor, sondern auch die Gesundheitsförderung, insbesondere des Rückens, im Fokus“, erklärt Kerstin Gedig, Betriebsratsvorsitzende am Standort Duisburg.

Menschen die Yogastunde üben
Gruppe junger sportlicher Menschen, die Yogastunde üben, Vogelhundeübungen machen.

Auf positive Resonanz stößt auch die „Rückenschule“ am Standort Kaufungen, die bisher jeweils einmal für Mitarbeiter im Betrieb und für Mitarbeiter im Vertrieb durchgeführt wurde. Nach 1,5 Stunden wertvoller Theorieschulung durch einen externen Experten bekommen die Teilnehmenden noch wichtige Tipps für die Praxis: Betriebsmitarbeiter lernen zum Beispiel, wie sie Lasten richtig heben; Vertriebsmitarbeiter erfahren, wie sie ihren Bürostuhl richtig einstellen oder sich angemessen bewegen. „Das Feedback der Teilnehmenden zeigt uns, dass sie oft noch Neues in der Rückenschule lernen konnten und dies jetzt sinnvoll in der Praxis umsetzen“, sagt Betriebsleiter Uwe Gundlach.